Jemand hält einen Kompass in den Händen, Waldboden im Hintergrund.

Assistenz heisst

Ich kann mich auf neues Terrain wagen. Ein Konzertbesuch in einer anderen Stadt oder ein Treffen mit neuen Leuten wird möglich.

Assistenz: Schlüssel zum selbstbestimmten Leben

Selbstbestimmt leben heisst: Entscheidungen treffen, die alle anderen Menschen in unserer Gesellschaft normalerweise als selbstverständlich erachten, ja sogar unbewusst treffen.

Wegen unseren Behinderungen brauchen wir bei vielen alltäglichen Lebensverrichtungen Unterstützung.

Damit wir Menschen mit Behinderungen selbstbestimmt leben können, müssen wir die Möglichkeit haben, über diese Unterstützung zu entscheiden.

Die Unterstützung, über die wir entscheiden können, nennen wir Assistenz.

Assistenz ist deshalb unser Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben.

Die sechs W-Fragen

Damit wir mit Assistenz selbstbestimmt Leben können, müssen wir die Möglichkeit haben, folgende Fragen selbst zu beantworten. Nur so können wir Menschen mit Behinderungen ein ganz normales Leben führen. Ein Leben, bei dem nicht unsere Behinderung im Vordergrund steht, sondern ein Leben mit Arbeit, Hobby, Freizeit, Freunden, Wohnung, Familie, ...

Wer?

Wir Menschen mit Behinderungen verbringen einen grossen Teil unseres Lebens mit Assistenz. Assistent_innen haben Einsicht in unser ganzes Privatleben. Falls wir nicht alleine, sondern zusammen mit der Familie, Partner_in oder in einer WG wohnen, dringt die Assistenzperson auch in deren Privatsphäre ein. Zwischen den Personen, die im selben Haushalt leben und der Assistenz leistenden Person muss ein besonders gutes Vertrauensverhältnis bestehen. Das geht nur, wenn wir selbst bestimmen können, wer Assistenz leistet.

Wann?

Einer Erwerbstätigkeit können wir Menschen mit Behinderungen nur dann nachgehen, wenn wir selbst bestimmen können, wann wir die Assistenz brauchen, um rechtzeitig bei der Arbeit zu sein. Auch über unsere Freizeitgestaltung können wir nur dann selbst bestimmen, wenn wir Assistenz bekommen, wann wir sie brauchen. Was nützt es, wenn wir mit Freunden ins barrierefreie Kino gehen könnten, aber keine Assistenz da ist, die uns nachher beim Zubettgehen unterstützt?

Wo?

Können wir Menschen mit Behinderungen nicht selbst bestimmen, an welchem Ort wir die Assistenz brauchen, sind wir gezwungen, dort zu bleiben, wo wir Assistenz kriegen. Damit gibt es keine individuellen Ferien, Tagungsbesuche, Ausflüge, auswärtige Arbeit, ...

Wie?

Wir Menschen mit Behinderungen (oder unsere engen Bezugspersonen) kennen unsere Bedürfnisse am besten. Wir wissen, wie die Bücher im Regal aufgestellt werden müssen, damit wir sie selbst ergreifen können. Es nützt nichts, wenn die Bücher so liegen, wie andere es für am besten halten. Zu einem selbstbestimmten Leben gehört somit auch, dass wir Menschen mit Behinderungen bestimmen können, wie die Assistenz geleistet wird. Wir wollen selbst beurteilen, was für uns Qualität heisst. Vielleicht sind es nicht die Gummihandschuhe, die der Pfleger trägt, wenn er uns die Haare wäscht. Vielleicht ist es dann einfach die Selbstverständlichkeit, dass die Assistentin uns fragt, was sie noch tun soll, bevor sie wieder geht. Auch wir Menschen mit Behinderungen sind Individuen. Jeder und jede hat seine eigene Vorstellung von Qualität.

Wie lange?

Entscheidungen wie, wie lange und wie oft wir duschen, essen, schlafen oder ausgehen sind persönlich und individuell. Wir Menschen mit Behinderungen wollen diese Entscheidungen nicht Tage im Voraus Personen übertragen, die Pflegediensteinsatzpläne machen. Bei einem Leben mit Assistenz bestimmen wir selbst, wie lange und wie oft wir die Assistenz beanspruchen. Da gehören auch spontane Entscheidungen dazu.

Welche?

Sobald wir Menschen mit Behinderungen unsere Assistenz selbst anstellen, können wir selbst bestimmen, welche Assistenz geleistet wird. Vielleicht ist es mal die Arbeit im Garten oder Fenster putzen, Wäsche waschen, Fingernägel schneiden, Begleitung an eine Tagung und vieles mehr.

Was für andere normal ist, darf für uns kein Luxus sein! Oder?