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Alltag darf für Menschen mit Behinderung nicht länger Luxus sein!

  • 12. Mai
  • 2 Min. Lesezeit

Nach der Arbeit nach Hause kommen und Finken anziehen. Ist das Luxus? Nein, für die meisten Menschen in der Schweiz ist das Alltag. Für Menschen mit Behinderung in der gleichen Schweiz ist es immer noch nicht Alltag. Es ist Luxus. Warum?


Nach der Arbeit heisst: Ich habe eine Arbeitsstelle. Viele Menschen mit Behinderung haben keine Arbeitsstelle. Sie arbeiten in einer geschützten Werkstätte. Für die Arbeit bekommen sie keinen Lohn, der zum Leben reicht.


Nach Hause kommen heisst: Ich habe ein Zuhause. Viele Menschen mit Behinderung haben kein eigenes Zuhause. Sie wohnen in einem Heim. Sie können nicht wählen, wo und mit wem sie leben.


Finken anziehen heisst: Ausruhen, es sich gemütlich machen. Das können viele Menschen mit Behinderung nur mit Unterstützung. Diese fehlt. Es heisst: Das brauchst du nicht. Wir haben keine Zeit. Jetzt nicht.


Nach der Arbeit nach Hause kommen und Finken anziehen: Das ist für uns Menschen mit Behinderung immer noch Luxus. Weil wir keine Assistenz haben!


Assistenz heisst:

Wir bestimmen, wer uns unterstützt.

Wir bestimmen wann. Die Unterstützung muss in unser Leben passen.

Wir bestimmen wo. Die Unterstützung muss dort sein, wo wir sind.

Wir bestimmen wie. Die Unterstützung muss uns nützen.

Wir bestimmen wie lange und wie oft wir duschen, essen, schlafen, ausgehen usw.

Wir bestimmen welche Unterstützung wir brauchen und was wir selbst tun können.

Mit Assistenz können wir Menschen mit Behinderung nach der Arbeit nach Hause kommen und Finken anziehen. Es kein Luxus mehr, es ist Alltag. Auch für uns Menschen mit Behinderung.


Doch für tatsächliche Gleichstellung braucht es auch: Eine Wohnung, eine Arbeitsstelle.

Der Bundesrat sagt: Er will Gleichstellung für Menschen mit Behinderung.

In seinem Vorschlag ist aber nichts von all dem drin: Keine Plan wie Menschen mit Behinderung eine barrierefreie und zahlbare Wohnung finden. Kein Plan wie Menschen mit Behinderung eine Arbeitsstelle finden. Kein Plan wie Menschen mit Behinderung genügend Assistenz erhalten.


Nach der Arbeit nach Hause kommen und Finken anziehen. Das ist für Menschen mit Behinderung immer noch nicht im Plan. Deshalb sind wir hier.


Nach der Arbeit nach Hause kommen und Finken anziehen. Damit das für Menschen mit Behinderungen nicht Luxus bleibt, braucht es die Inklusions-Initiative.

 

Eine Frau mit Brille, orangenem T-Shirt und grauer Strickjacke hält einen Zettel in den Händen. Ein schwarzes Mikrofon ist an einem Mikrofonständer zu ihrem Mund gerichtet. Im Hintergrund ein Plakat mit blauen, gelben, grünen und pinken Elementen. Text: UR TELLUNG in grossen Buchstaben.
Simone Leuenberger, Geschäftsleiterin von InVIEdual, hält an der nationalen Kundgebung zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen vom 2. Mai 2026 auf dem Helvetiaplatz in Zürich eine Rede zum Thema Assistenz (Foto © Monique Wittwer)

Übergebene Forderungen

An der nationalen Kundgebung zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen haben wir folgende Forderungen übergeben an Nationalrat Islam Alijaj, Nationalrat Philipp

Kutter sowie Urs Germann, Leiter des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung

von Menschen mit Behinderungen und Sarah Arquint, Leiterin Koordinationsstelle

Behindertenrechte Kanton Zürich.


  1. Assistenz als Grundrecht gesetzlich verankern

  2. Nationale Standards statt kantonalen Ungleichheiten

  3. Gebärdensprachdolmetschung als Assistenz sichern

  4. Assistenz in allen Lebensbereichen garantieren

  5. Assistenzbeitrag der IV grundlegend ausbauen und modernisieren

  6. Selbstbestimmung bei der Organisation von Assistenz garantieren

  7. Assistenz lebenslang sichern

  8. Arbeitsassistenz gesetzlich sichern

  9. Assistenz unabhängig von der Wohnform sichern

  10. Assistenz im Gesundheitswesen garantieren

  11. Politische Assistenz garantieren


Was sich hinter jeder einzelnen Forderung verbirgt, steht im folgenden Dokument.


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